Freitag, 22. September 2017

FrauenZimmer – Weibsbilder – Textile Geschichten

von:
Gabi Mett

Die Ausstellung mit diesem Titel wurde am 2.9.2017 eröffnet. Bis einschließlich 15. Oktober 2017 präsentieren in der Kunsthalle des JungenForumKunst Siegburg e.V 20 Filz- und Textilkünstlerinnen aus 6 Nationen ihre zum Teil sehr persönlichen Objekte und Installationen.

Folgende Künstlerinnen sind in der Ausstellung vertreten:

Britta Ankenbauer (D) ● Claudia Arndt (D) ● Dorie van Dijk (NL) ● Sibylle von Eschenlohr (D) ● Barbara Füreder (A) ● Kinga Huszti (HU) ● Gabriella Kovács (HU) ● Ariane Mariane (F) ● Merja Markkula (FIN) ● Gabi Mett (D) ● Kira Outembetova (NL) ● Beatriz Schaaf-Giesser (D/Ury) ● Charlotte Sehmisch (D) ● Bertina Slettenhaar (NL) ● Sandra Struck-Germann (D) ● Das Sündikat (D) ● Katharina Thomas (D) ● Karen Betty Tobias (D) ● Yvonne Zoberbier (D) ● Ricarda Aßmann (D)

Die Kuratorin Ricarda Aßmann sagt zu ihrer Idee:

„Textile Kunst ist untrennbar mit Frauen verbunden, und muss sich doch ihre Anerkennung in der Öffentlichkeit und Kunstwelt immer wieder erkämpfen. Sie eignet sich wie kaum eine andere, weibliche Lebensthemen, An-Sichten und Frauenleben abzubilden – ja, im wahrsten Sinne des Wortes zu verkörpern.
Textile Artefakte sind Speicher weiblicher Geschichten, Gesichter und Schicksale ganzer Generationen. Textilien umhüllen uns, sind uns zweite Haut oder Maske und Verwandlung, und ihre Herstellung gleicht sich auf allen Kontinenten dieser Erde. Doch textile Objekte, so vielschichtig wie ihre Schöpferinnen, spiegeln zugleich auch den Zeitgeist, werden zum Ausdruck politischer Bewegungen.“

Ich möchte Ihnen einen kleinen Einblick in die Werkschau geben.


Blicke in die Ausstellungshalle
 

 


 


 


 


 


 


 
Schwerpunktmäßig waren Filzarbeiten zu sehen. Sie waren sehr beeindruckend, sowohl was Technik, Größe, aber auch Ausdruck angeht.


Blick auf meine Arbeiten


Langer Weg

Bei diesem Werk handelt es sich um  ein altes Mangeltuch, auf das ich kieselartige Formen aufgestickt habe. Zwischen den Steinen habe ich in der Manier von Écriture automatique Worte und Sätze geschrieben.

" Der französische Ausdruck Écriture automatique (dt.: Automatisches Schreiben, Automatischer Text) bezeichnet eine Methode des Schreibens, bei der Bilder, Gefühle und Ausdrücke (möglichst) unzensiert und ohne Eingreifen des kritischen Ichs wiedergegeben werden sollen. Das Schreiben erfolgt dabei klassischerweise als manuelles Schreiben mit einem Schreibgerät. Unter Verzicht auf Absichtlichkeit und Sinnkontrolle dürfen sowohl Sätze, Satzstücke, Wortketten, als auch einzelne Wörter geschrieben werden. Was ansonsten in Hinsicht auf Orthografie, Grammatik oder Interpunktion als fehlerhaft gilt, kann unter diesen Bedingungen erwünscht und zielführend sein. Wichtig ist allein die Authentizität des Einfalls.

Die
Surrealisten propagierten diese schriftstellerische Form der Freien Assoziation als eine neue Form der Poesie und der Experimentellen Literatur. " (Wikipedia)



 


 


 


 


 


 


 


Mit den Gedanken woanders
 
Auch bei dieser Arbeit steht das automatische Schreiben im Mittelpunkt. Eine alte Handarbeit auf feinem Leinen, schon markiert, aber noch nicht begonnen, konnte ich auf diese Art und Weise weiterführen und mit altem roten Stickgarn interpretieren






Schriftstück aus der Familie
 
Gedanken zu meiner Familie sind hier notiert, Stücke aus alten Kopfkissen integriert, weiter interpretiert mit unverständlichen gestickten Zeichen, geheime Codes, die jede Gemeinschaft, entwickelt, bewusst oder unbewusst, erkennbar oder verdeckt.


 


 


 



 
Woran glaubst Du?
Über eine lange Zeit habe ich kleine Elemente gestickt, die als Amulette gedacht waren. Es sind an die 300 entstanden. Auf ein altes Leinenstück - handgewebte Handtuchroll - aufgenäht, lassen sie die Frage entstehen: Woran glaubst Du?


 


 
 
 
Diese Ausstellung ist die letzte in dieser alten Industriehalle. Und weil das so war, konnte ich mir einen Wunsch erfüllen  und meine Arbeiten auf dem Boden weiterführen. Mit unterschiedlichen Stiften habe ich meine Gedanken zu diesem Moment auf den Boden niedergeschrieben
 
 
 
 
 

 
 
 
 
 




Aus diesem Vorgang entstand eine neue Idee: Ich würde gerne einmal einen großen Raum nur mit meiner Schrift und meinen Gedanken verändern, alles beschreiben, Boden, Wand und Decken, Tisch und Stuhl...

Die Ausstellung läuft bis einschließlich 15. Oktober 2017  in der Kunsthalle des JungenForumKunst Siegburg e.V in Siegburg. Die Werkschau ist täglich von 11.00-19.00 Uhr geöffnet, der Eintritt beträgt 7,50 Euro.

Weitere Informationen hier
 

Mittwoch, 20. September 2017

Freitag, 15. September 2017

Phantastisches im Haus Konstruktiv

von Judith Mundwiler


Kürzlich habe ich im Haus Konstruktiv in Zürich eine spannende Ausstellung besucht. Leider ist sie schon vorbei, aber ich möchte Ihnen trotzdem einen Einblick geben. Die beiden Künstler Thomàs Saraceno und Jürg Stäuble sind sicher wieder mal in der Umgebung zu sehen. Oder Sie können die beiden im Internet besuchen.....
Beide Künstler geben total faszinierende und interessante Denkanstösse und Inspirationen! Bei den Werken von beiden Künstlern ist sehr viel Textilverwandtes zu entdecken.

Thomàs Saraceno

Thomas Saraceno studierte von 1992 bis 1999 Kunst und Architektur an der Universidad de Buenos Aires (UBA). Von 1999 bis 2000 machte er ein Aufbaustudium an der Escuela Superior de bellas Artes Ernesto de la Carcova.
Von 2001 bis 2003 schloss sich ein Postgraduiertenstudium der Kunst und Architektur an der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste in Frankfurt am Main bei an. 
Von 2003 bis 2004 besuchte der den Kurs „Progettazione e Produzione delle Arti Visive“ an der Universität Venedig (UAV). Im Sommer 2009 nahm er am International Space Studies Program im NASA Kalifornien, teil.
Wiederkehrendes Motiv in Saracenos dreidimensionalem, meist raumfüllendem Werk sind verknüpfte Raumkapseln, [...] die unter den Vorzeichen von Klimawandel und Bevölkerungswachstum alternativen Wohnraum bereitstellen sollen. Sie zeigen Lebens- und Wohnmodelle, mit denen neue Ideen für soziale Interaktionen innerhalb einer globalen Zusammenarbeit entstehen könnten.
Auf der Biennale Venedig 2009 untersuchte er unter dem Titel “Galaxies Forming along Filaments, like Droplets along the Strands of a Spider's Web”, mit einer aus Kristall-PVC-Skulpturen und elastische Seilen bestehenden Rauminstallation alternative Lebensstrategien. Auf der Sonsbeek International Sculpture Exhibition 2008 stellte er ein „Fliegendes Gewächshaus“ vor, das aus zweiunddreißig mit Helium gefüllten Luftballons bestand, die durch ein Netz zusammen gehalten wurden. Die so entstandene „Wolke“ hatte einen Durchmesser von 10 Metern.
(Informationen von Wikipedia)

Im Museum Haus Konstruktiv installierte Saraceno die Arbeit «Arachno-Konzert»: In einem offenen kubischen Rahmen befindet sich eine Spinne, deren Netz mit einem Mikrofon verbunden ist welches die durch ihre eigene Aktivität entstehende Vibration simultan akustisch umsetzt. Parallel dazu lässt der Künstler «kosmischen Staub» sichtbar werden: Die Bahnen der sich frei durch die Luft bewegenden Staubpartikel werden von einer Kamera aufgezeichnet und auf eine Leinwand übertragen. Die Bewegung jeder Person beeinflusst den Luftstrom‚die Staubspuren und Spinnennetze. Saraceno vergleicht die Installation mit einer «Jam-Session zwischen der Spinne, dem Staub und den Menschen, die sich im Raum bewegen. Sie interagieren miteinander, und ich hoffe, dass ich alle in diesem kosmischen Getöse vereinen kann.»



Die lebende Spinne in ihrem Netz. Sie wurden jeden Tag gefüttert.

Die Installation mit Licht, Lautsprechern und Mikrofonen



Es wurden auch Spinnen und Netzstrukturen ausgestellt. Seit mehr als zehn Jahren untersucht Saraceno dieses Themenfeld mit Wissenschaftlern verschiedener Disziplinen. In Zusammenarbeit mit Arachnologen hat er in seinem Studio offene Rahmenkonstruktionen errichtet, die rund 300 Webspinnen beherbergen - insgesamt zwölf Arten, die als solitär, semisozial und sozial klassifiziert werden. Saraceno lässt Spinnen auf die Netze anderer Spinnenarten stossen und beobachtet die Entstehung neuer, hybrider Netzstrukturen,
die ihn vom Konzept her an hypermoderne Stadtlandschaften oder an die wabenartige Struktur des Universums erinnern.


Installation zum Thema: Stillness in Motion-Cloud Cities

Foto von der Webseite des Künstlers

Foto von der Webseite des Künstlers

In diesem Glaskasten ist so eine Netzskulptur einer Spinne. Die feinen seidenfäden der Spinne wurde mit Kohlenstoffaser und Tinte sichtbar gemacht.
Text zum Werk:
Die Skulptur aus komplex miteinander verwobenen, in der Luft hängenden Geometrien erscheint wie eine einzige Galaxie, die in einer weiten, unendlichen Landschaft schwebt. Während der Entstehung der Skulptur wurde der Kubus auf verschiedene Seiten gedreht und mit verlagerter Wirkung der Schwerkraft von verschiedenen Spinnen Arten mit silbriger Spinnen Seide versponnen,. Mit der Ablagerung kosmischen Staubes auf den Spinnennetzen nehmen die komplexen Filamente Bezug auf Zwerg- und Spiralgalaxien, auf Nebelflecken und Quasare. spinnen weben letztlich winzige Universen.







Zu den folgenden Bildern sagt Saraceo:










Ein weiteres Projekt:

Die Spinnen wurden in vollständig lichtdurchlässigem Acrylglas in ungefähre Abmessungen von 50 x 55 x 30 cm untergebracht. Mit Laser wurden die Fäden beleuchtet. Die Wände wurden mit Spritzkleber beschichtet, um sie weniger rutschig zu machen und damit der Spinne zu helfen, die Wände zu besteigen. Dies wurde mit einem Chemiker und Arachnologen besprochen, der sagte, dass es für die Gesundheit der Spinne sicher war. Mit einem komplexen vefahren wurde die Netzkunstruktion von verschiedenen Seiten aufgenommen. Es entstand eine Art Konstellation von Punkten und Streifen, wie ein leicht überbelichtetes Bild des Nachthimmels.

Den ganz genauen Ablauf dieses Verfahrens können sie auf der Webseite von Thomàs Saraceo hier nachlesen.


Fotos von der Webseite des Künstlers


Auch das Projekt "Aerocene" ist total faszinierend........


Foto aus der Ausstellung in Zürich

Foto aus der Ausstellung in Zürich


Foto von der Webseite des Künstlers 

Foto von der Webseite des Künstlers



Tomàs Saraceno versteht sein disziplin übergreifendes Schaffen als künstlerische Forschung, mit der er die Idee einer «realisierbaren Utopie» verfolgt. Inspiriert von physikalischen und biologischen Phänomenen — etwa der Thermodynamik der Atmosphäre oder den Strukturen von Spinnennetzen — entwickelt er in Zusammenarbeit mit entsprechenden Fachleuten, darunter Biologen, Ingenieure und Architekten, aufsehenerregende Werke: Riesige luftgefüllte Skulpturen, die nur dank der Sonneneinstrahlung und der Infrarotstrahlung der Erdoberfläche schweben, oder ebenso spektakuläre wie filigrane Netzstrukturen. Seine visionären Projekte erlauben einen Brückenschlag zu den russischen Konstruktivisten und Suprematisten: Schon Kasimir Malewitsch und El Lissitzky verfolgten die Idee fliegender Städte.
Als Reaktion auf globale ökologische und gesellschaftliche Herausforderungen sind Saracenos Arbei-
ten als Modelle zukünftiger, nachhaltiger Lebensformen zu verstehen.
Gezeigt wurden verschiedene schwebende Skulpturen, die weder auf fossile Brennstoffe und
Erdgase, noch Solarzellen angewiesen sind, sondern allein aufgrund der Thermik um die Welt fliegen können.
Zunächst als Kunst Proiekt angedacht, entwickelte sich «Aerocene» rasch zu einem Forum für die Auseinandersetzung mit akuten ökologischen Problemen wie der Umweltverschmutzung oder der Abhängigkeit von fossilen und aus Kohlenwasserstoff bestehenden Treibstoffen. Vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Energiekrise sucht Saraceno mit einer Gruppe von Kunstschaffenden, Naturwissenschaftlern und Aktivisten nach Lösungen für ein nachhaltiges Reisen, Leben und Forschen, damit die biologische Vielfalt der Erde auf Dauer geschützt ist.

Wenn Sie, genauso wie ich, in den Bann gezogen sind von diesem herausragenden Künstler und seinen Visionen, besuchen Sie doch seine Webseite und verweilen Sie bei seinen weiteren Projekten. Diese beinhalten so viel Inspiration auch für das Weiterdenken und Weiterentwickeln der eigenen Kreativität!
Webseite von Thomàs Saraceo HIER.

Von  Jürg Stäuble, der im Haus Konstruktiv ebenfalls ausgestellt hatte, werde ich in einem nächsten Blog berichten, oder Sie besuchen ihn auf seiner Webseite HIER